„Sie kennen unsere Branche nicht“: Warum bei neuen Problemen die Methode entscheidet


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„Sie kennen doch unsere Branche nicht.“
Den Satz höre ich in Erstgesprächen regelmäßig. Und oft stimmt er. Ich war nie Energieversorger, nie Versicherer und habe nie einen Flughafen betrieben.

Gearbeitet habe ich trotzdem für alle drei. In 27 Jahren als Freiberufler kamen Projekte in Bildung, Energie, Finanz- und Versicherungswirtschaft, Handel, Mobilität, Industrie, Tourismus, Architektur und im Non-Profit-Bereich zusammen. Der Einwand ist also berechtigt und gleichzeitig weniger entscheidend, als er klingt.

Was Branchenwissen leistet und wo es bremst

Branchenwissen ist Gold wert, solange das Problem bekannt ist. Wer die Abläufe, Begriffe und Fallstricke einer Branche kennt, findet bei vertrauten Aufgaben schneller zur Lösung. Er weiß, welche Vorschriften gelten, welche Kennzahlen zählen und welche Ideen schon dreimal gescheitert sind.

Bei neuen Problemen kann genau dieses Wissen bremsen. Es bringt fertige Antworten mit, bevor die Frage richtig gestellt ist. „Das haben wir schon immer so gemacht“ hat in jeder Branche eine lange Geschichte, und „Das funktioniert bei uns nicht“ ebenso. Beides sind Sätze, die auf Erfahrung beruhen. Bei einer neuen Technologie wie KI ist diese Erfahrung aber oft nur begrenzt übertragbar.

Die Muster unter der Oberfläche

Eine KI-Einführung sieht beim Energieversorger anders aus als an einer Hochschule. Die Fachbegriffe sind andere, die Regulierung ist eine andere, die Kultur sowieso. Die Muster darunter ähneln sich aber verblüffend. Drei begegnen mir fast überall:

Unklare Zuständigkeiten. Die IT sieht KI als Fachthema, der Fachbereich als IT-Thema, die Geschäftsführung als Thema für beide. Am Ende fühlt sich niemand verantwortlich.

Zu viele Ziele gleichzeitig. Kosten senken, Qualität steigern, Mitarbeitende entlasten, innovativ wirken, alles in einem Projekt. Ohne Priorität wird jede Entscheidung zur Verhandlung.

Das Werkzeug kommt vor der Frage. Eine Lizenz ist gekauft, bevor jemand sauber formuliert hat, welches Problem damit gelöst werden soll. Danach sucht man Anwendungsfälle für ein Werkzeug, statt ein Werkzeug für einen Anwendungsfall.

Diese Muster erkenne ich nach 27 Jahren und über 40 Projekten schnell, unabhängig von der Branche. Und für jedes gibt es erprobte Wege, es aufzulösen.

Der Wert des Blicks von außen

Die Fachleute sitzen ohnehin im Haus. Sie kennen ihre Branche besser, als ich sie je kennen werde. Was dort häufig fehlt, ist jemand, der von außen fragt, warum etwas so ist, wie es ist.

Und der danach dafür sorgt, dass die Antwort auch umgesetzt wird.

Diese Rolle kann jemand aus dem eigenen Haus nur schwer übernehmen. Wer Teil des Systems ist, hat Loyalitäten, Geschichte und manchmal auch gute Gründe, bestimmte Fragen nicht zu stellen. Ein Außenstehender darf naiv fragen. Erstaunlich oft ist genau die naive Frage die, auf die niemand eine gute Antwort hat.

Wie ich mich in eine neue Branche einarbeite

Die Fachsprache lerne ich schnell. Das bringen 27 Jahre mit ständig neuen Auftraggebern mit sich. In den ersten Wochen eines Projekts gehe ich dabei meist ähnlich vor:

  • Gespräche quer durch die Organisation: nicht nur mit der Leitung, sondern auch mit den Menschen, die die Arbeit täglich machen.
  • Ein eigenes Glossar: Begriffe, Abkürzungen und interne Namen, damit ich schnell mitreden und Missverständnisse früh erkennen kann.
  • Eine einfache Prozesslandkarte: Wer macht was, in welcher Reihenfolge, und wo wird gewartet?
  • Die Regeln sammeln: Welche sind gesetzlich vorgegeben, welche sind historisch gewachsen Die zweite Gruppe ist meist größer als gedacht.

Wann der Einwand berechtigt ist

Ehrlich gesagt gibt es Situationen, in denen tiefes Branchenwissen unverzichtbar ist. Wenn es um hochspezialisierte regulatorische Fragen geht, etwa die Zulassung eines Medizinprodukts, braucht es Spezialisten. Die gibt es, und die sollten an Bord sein.

Meine Rolle ist dann eine andere: dafür zu sorgen, dass Spezialisten, Fachbereiche und Umsetzer zusammenarbeiten und am Ende ein Ergebnis steht. Branchenerfahrung hilft. Wenn das Problem neu ist, entscheidet die Methode.

Häufige Fragen

Brauche ich für ein KI-Projekt einen Berater aus meiner Branche?
Nicht zwingend. Für die Einführung von KI, für Prozessverbesserung und Projektsteuerung sind Methode und Erfahrung mit vergleichbaren Veränderungen oft wichtiger als Branchenzugehörigkeit. Für hochspezialisierte regulatorische Fragen sollten zusätzlich Fachspezialisten eingebunden werden.

Wie schnell kann sich ein externer Berater einarbeiten?
Das hängt vom Thema ab. Für die meisten Projekte reichen zwei bis vier Wochen, um Abläufe, Begriffe und Zuständigkeiten so weit zu verstehen, dass fundierte Empfehlungen möglich sind. Entscheidend ist der Zugang zu den Menschen, die die Arbeit täglich machen.

Was bringt der Blick von außen konkret?
Er macht Annahmen sichtbar, die intern niemand mehr hinterfragt. Dazu kommt Erfahrung aus anderen Organisationen, die ähnliche Probleme bereits gelöst haben. Und ein Externer kann Konflikte ansprechen,
ohne Teil der internen Politik zu sein.

Welche Regel in Ihrer Branche würde ein Außenstehender als Erstes infrage stellen? Wenn Sie neugierig sind, was ich in Ihrem Haus fragen würde, vereinbaren wir gern ein Gespräch.